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Urteil nach zweitägiger Hauptverhandlung

Datum: 28.10.2024

Kurzbeschreibung: Sozialarbeiter des KSC Fanprojektes wegen versuchter Strafvereitelung durch Aussageverweigerung zu Geldstrafen verurteilt

Das Amtsgericht Karlsruhe hat drei Mitarbeiter des KSC Fanprojektes nach zweitägiger Hauptverhandlung wegen versuchter Strafvereitelung in 21 tateinheitlichen Fällen zu einer Geldstrafe in Höhe von jeweils 90 Tagessätzen zu 70, 60 bzw. 45 EUR verurteilt. 

Am 12.11.2022 wurden beim Abbrennen von Pyrotechnik während eines KSC Spiels durch Mitglieder der Ultragruppierung „Rheinfire“ elf Menschen verletzt. Die Angeklagten sind seit mehreren Jahren als Sozialarbeiter bei dem KSC Fanprojekt tätig. Die angeklagten Sozialarbeiter wurden im Rahmen der Ermittlungen mehrfach zu verschiedenen Sachverhalten (unter anderem zur Vorbereitung der Pyrotechnik möglicherweise in den Räumen des Fanprojekts, Wahrnehmungen während des Spiels) im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Mitglieder der Ultragruppierung Rheinfire befragt. Die Angeklagten verweigerten – auch bei einer richterlichen Vernehmung am 02.10.2023 - die Aussage. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten durch die Verweigerung der Aussage bei der Vernehmung durch den Ermittlungsrichter wissentlich versucht haben, die Strafverfolgung von an der Pyroaktion Beteiligten zu verzögern oder ganz zu verhindern. 

Die Angeklagten hielten es jedenfalls für möglich, dass die im Rahmen der richterlichen Vernehmung ihnen genannten Personen schwere Straftaten begangen hatten, nämlich die Körperverletzung von Stadionbesuchern. Sie waren zu Beginn der Vernehmung darauf hingewiesen worden, dass sie zur Aussage verpflichtet sind. Den Angeklagten war auch bewusst, dass sie kein Aussageverweigerungsrecht wegen der Gefahr einer möglichen eigenen Strafverfolgung hatten, ebenso wenig wie ein Zeugnisverweigerungsrecht. 

Sie sahen es jedenfalls betreffend eines Teils der gestellten Fragen als sichere Folge ihrer Aussageverweigerung an, dass es zu einer Strafvereitelung kommt. Lediglich hinsichtlich dreier später durch die Staatsanwaltschaft eingestellter Ermittlungsverfahren gegen Security-Mitarbeiter hat sich nach Auffassung des Gerichts der Vorwurf der versuchten Strafvereitelung nicht bestätigt.  

 

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. 

 

Amtsgericht Karlsruhe, Urteil vom 28.10.2024, Az. 17 Cs 530 Js 45512/23

 

§ 258 Strafvereitelung

(1) Wer absichtlich oder wissentlich ganz oder zum Teil vereitelt, dass ein anderer dem Strafgesetz gemäß wegen einer rechtswidrigen Tat bestraft oder einer Maßnahme (§ 11 Abs. 1 Nr. 8) unterworfen wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.